Genervt von vielen Software-Problemen meines Waldorf Blofeld habe ich mir kürzlich und recht spontan einen Waldorf MicroQ (in der ersten quietschgelben Version) günstig geschossen.
Der Blofeld vereint die Eigenschaften des MicroQ (Virtual Analog Synth mit 3 Oszillatoren) mit denen des Waldorf-Klassikers MicroWave (II) (Wavetable-Synthese) und klingt, wie ich finde, großartig… wenn er denn mal ordentlich funktioniert. Zwar behebt das Betriebsystemupdate Version 1.15b viele, teils gravierende Fehler, aber seit ich es aufgespielt habe, funktioniert der USB-Anschluss meines Blofelds nicht mehr (funktioniert jetzt wieder, siehe Update unten). Leider ist dieser die einzige Möglichkeit selbst programmierte Sounds aus dem Blofeld heraus auf den Computer zu bekommen, da die Desktopversion keine MIDI-Outbuchse besitzt! Ich verlor also langsam die Lust, mich mit dem Blofeld rumzuärgern und suchte nach einem anderen Weg, den charakteristischen Waldorf-Sound zu bekommen.
Die gelbe Mini-Kuh
Was also hat der Blofeld, was der MicroQ nicht hat? Oder: welche Features des bei Einführung doch erheblich teureren MicroQ fielen beim Preisbrecher Blofeld dem Rotstift zum Opfer? Dazu habe ich (*unter dem Tisch kruschpel*) schon mal etwas vorbereitet: diese Tabelle listet die objektiven Unterschiede zwischen dem MicroQ und dem Blofeld sowohl in der Desktop- als auch der Keyboardversion auf. Es werden, bis auf wenige Ausnahmen, nur die wirklichen Unterschiede zwischen den Geräten aufgelistet, da die Gemeinsamkeiten überwiegen und in jeder Featureliste nachgelesen werden können. Da die MicroQs in der Bucht von E mittlerweile deutlich unter 200 Euro gehandelt werden, hoffe ich mit dieser Tabelle manch einem geeignete Hilfestellung geben zu können, um zu entscheiden, ob sich der Kauf heute noch lohnt.
Kommentare, Ergänzungen und Berichtigungen sind jederzeit willkommen. Ich bin mir sicher, dass es noch einige Unterschiede im Bezug auf den jeweiligen Mutimode aufzulisten gäbe, aber damit hab ich mich noch nicht sehr intensiv befasst. Auch gäbe es sicherlich noch etliches zur subjektiven Beurteilung der Unterschiede beim Sound und in der Bedienung zu sagen, aber dafür ist so eine Tabelle wohl nicht die richtige Form. Also, die Kommentare sind eröffnet!
Veröffentlicht in Kategorie Synths am 19. August 2009 von Chris –
9 Kommentare
Durch den Kauf eines gebrauchten Yamaha SY85 im Frühjahr bin ich auf den Geschmack gekommen, mich (wieder) mehr mit Hardware-Synthesizern zu beschäftigen. Da aber die Gitarre mein Hauptinstrument ist, suchte ich nach einem kleinem Rackmodul, das ich über meine Behringer FCB 1010 MIDI-Fußleiste ansteuern kann, um so mit den Füßen z.B. eine Bassbegleitung zu spielen ohne ein Riesenkeyboard mitschleppen zu müssen. Da meine Finanzen begrenzt sind, war klar, dass es ein gebrauchtes Modul aus den 90ern werden sollte. In die Frage kamen z.B. das Roland JV-1010 und das Korg X5DR. Letzteres konnte ich vor kurzem günstig bei einem bekannten Online-Auktionshaus erstehen. Das X5DR kam 1995 auf den Markt und steht in einer Entwicklungsreihe mit bekannten Korg Keyboards wie dem M1 und dem X5. Dazu unten mehr, hier zunächst die wichtigsten Eigenschaften auf einen Blick.
Fronpanel des Korg X5DR
Auf einen Blick
64-fach polyphon (Single Mode) bzw. 32-fach (Double Mode)
128 GM-Patches
8 GM-Drumsets und 2 Userkits
100 User Single Patches (Programs)
100 User Combi Patches (je bis 8 Programs)
1 Multi-Setup, 16-fach multi-timbral, nur über MIDI/Sysex speicherbar
430 Multisounds (Multisamples) und 215 Drumsounds in 8 Mb Sample-ROM
2-fache Effektsektion, 47 Effekte, davon viele Kombinationseffekte
Alternative Stimmungen (z.B. pythagoreisch, reines Dur/Moll, versch. arabische)
MIDI In/Out/Thru, PC-Schnittstelle (seriell)
L/Mono,R-Out, Klinke, unsymmetrisch
Kopfhöreranschluss, Miniklinke (Vorderseite)
Steckernetzteil 12V
halbe Rackbreite, 1.3 kg leicht
Die Korg X Familie
Der etwas verwirrende Stammbaum des X5DR wurzelt im Korg Klassiker, der Workstation M1. Die dort im Innern werkelnde AI Synthese, hat sich, bis auf leichte Veränderungen, bis zum Korg X5 und seinen Varianten erhalten, auch wenn sie nun AI2 heißt. Der Korg X5DR ist die Rackvariante des Keyboards X5D, eine Weiterentwicklung des erfolgreichen X5 Keyboards, mit größerem Sample-ROM und mehr Multisounds. Das X5 wiederum ist die Keyboardversion des Rackmoduls 05R/W, das trotz des Namens mehr in die X-Reihe einzuordnen ist und nicht kompatibel mit dem 01/W ist, da ihm jegliche Waveshaping-Fähigkeiten fehlen. Danach brachte Korg noch die N-Reihe mit u.a. dem N634 heraus, die ebenfalls auf der AI2-Synthese basierten. Gleichzeitig schlug Korg ab 1995 mit der erweiterbaren Workstation Trinity neue Wege ein, die 1999 vom Triton abgelöst wurde. Das X5DR war in seiner Zeit ein solides Modul der Mittelklasse, das die Korg-typischen Sounds mit hoher Polyphonie bietet, nicht mehr und nicht weniger. Auch heute, nach fast 15 Jahren, ist die Qualität der gelieferten Samples ausreichend für Brot- und Buttersounds und einige interessante Effekte, wobei klar sein dürfte, dass die akustischen Instrumente nicht mit den Multi-GB Sample-Bibliotheken moderner Software-Sampler mithalten können.
Soundstruktur
Ein Single Patch des X5DR (”Program” im Korg-Jargon) besteht aus einem (Single Mode) oder zwei (Double Mode) Multisounds (Korg-Jargon für ein Multisample), das den grundlegenden Soundcharakter festlegt. Jeder der zwei Oszillatoren hat einen Low-Pass-Filter, Amplitude- und Filterenvelope (VDA EG und VDF EG) und zwei Effektsends. Oszillator 2 kann gegenüber OSC 1 verstimmt und/oder verzögert werden. OSC 1 und 2 teilen sich einen gemeinsamen Pitch-Envelope, es kann jedoch für jeden OSC getrennt eingestellt werden wie stark der Effekt des Pitch-Envelopes ist. Verschiedene Parameter der VDA, VDF und Pitch EGs können auch über Keyboardtracking beeinflusst werden, sowie über den Modulationsgenerator (MG), also das, was man anderswo einen LFO nennt. Als weitere Modulationsquellen kommen natürlich noch Pitch Bend, Aftertouch und Modulationrad/-stick hinzu.
Danach folgt die Effektsektion mit zwei parallelen oder seriellen Effekten. Einige der Effekte bieten zwei Effekttypen gleichzeitig, so dass man einen Sound mit bis zu vier Effekten gleichzeitig beeinflussen kann.
Leider hat der Low-Passfilter keine echte Resonanz, nur einen sog. “Color”-Parameter, der dem Sound leichte Höhen um die Cutoff-Frequenz hinzufügt. Auch Portamento fehlt leider, so dass man nicht alle Möglichkeiten von Analogsynths emulieren kann. Oft kann man sich aber mit Tricks behelfen: so bietet z.B. der Distortioneffekt einen Resonanz-Parameter, mit dem man den Sound dann doch noch zum Schmatzen bringt.
Mit den sogenannten “Combinations” kann man bis zu acht Single-Sounds layern, wobei jeder Sound seinen eigenen MIDI-Kanal haben kann. Man kann eine Combination also auch als 8-fach multi-timbrales Multi-Setup benutzen. Neben einfachem Layern von Sounds sind auch Keyboardsplits und Velocity-Switching und beliebige Kombination davon möglich. Das ermöglicht sehr komplexe und variable Soundgebilde, die dynamisch auf die Spielweise reagieren oder wie ein kleines Orchester-Setup gespielt werden können.
Braucht man mehr Instrumente, kann man bis zu 16 Sounds im Multimode ansprechen. Leider bleibt das Multi-Mode Setup nicht beim Ausschalten des Geräts erhalten, so dass man es über MIDI speichern und wiederherstellen muss. Das sollte aber mit heutiger Sequenzer-Software kein Problem sein, zumal der X5DR alle Einstellungen, die man am Gerät vornimmt, direkt über MIDI-Out ausgibt, so dass man sie leicht speichern kann.
Sonstiges
Der X5DR ist General Midi (GM) kompatibel, hat aber keine Unterstützung für die Yamaha XG oder Roland GS Standards. Wenn man nicht gerade zur Alleinunterhalter/MIDI-File-Abspielfraktion gehört, interessiert das aber sowieso weniger. Auch auf die Drumsets will ich hier nicht weiter eingehen, da ich für Drums meistens VSTi benutze, die Velocity-Layering und dergleichen unterstützen. Die MIDI/Sysex-Implementierung ist umfassend und gut dokumentiert (allerdings fehlen in der Online-PDF-Version des Handbuchs die entsprechenden Anhänge, im Handbuch des X5D findet man sie aber).
Ein besonderes Schmankerl, das man nicht überall findet, ist die Unterstützung für verschiedene Stimmungen, d.h. die Frequenzverhältnisse der einzelnen Töne der Tonleiter. Als Voreinstellungen findet man verschiedene nicht-westliche Stimmungen, sowie reines Dur/Moll, pythagoreische Stimmung und viele andere. Auch eine eigene Stimmung kann man einstellen, indem man für jeden Halbtonschritt die Abweichung von der Norm angibt. Dieses Feature sollte man unbedingt einmal anhand einiger der Factory-Preset ausprobieren, z.B. der Combination No. 85 “The Sphinx” (Presets B).
Demo: More Miles
Um die Soundmöglichkeiten des X5DR ein wenig auszuloten, habe ich in ein paar Stunden ein kleines Demostück im Dream Trance-Stil à la Robert Miles “Children” oder “Fable” gebastelt. Ich habe dabei hauptsächlich Sounds aus der Soundbank von JayB (siehe Links) sowie ein paar Factory-Presets verwendet. Aufgenommen habe ich das Stück Track für Track mit Tracktion 3, also ohne das Multi-Setup des X5DR zu nutzen. Die Aufnahme ist nur ein recht grober Mix mit einigen VST-Hall und Delay-Effekten, sowie leichtem EQing des Masterbusses. Für weitere Soundbeispiele verweise ich auf die Webseiten in der Linksektion.